 | Suchtkrankheit, also auch Alkoholismus, ist eine
"Beziehungskrankheit".
Dieser Satz bedeutet: Die Suchtkrankheit betrifft nicht allein den
Alkoholiker, sie greift auch zerstörerisch in das Leben derer ein, mit
denen der Kranke in engerer Beziehung steht.
Die Ehefrau, die irgendwann mit ihrem alkoholabhängigen Mann nicht mehr
leben kann ist da nur ein Beispiel.
Betroffen sind die ganze Familie sowie Freunde, Bekannte und oft auch
Kollegen.
Durch die Krankheit werden nach und nach alle Beziehungen des Kranken gestört
und zerstört.
Man kann getrost davon ausgehen:
Wo ein alkoholkranker Mensch ist, da ist immer auch
ein "krankes" soziales Umfeld.
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Beispiel:
Ein Mann trinkt auf einer Feier. Auf der Rückfahrt lenkt seine Frau das
Auto.
Ein ganz normales Bild, das ist vernünftig und das ist schön, vor allem,
wenn es vorher so abgesprochen war und vielleicht beim nächsten Mal auch
andersherum ist.
Tatsache ist: Er trinkt, und sie reagiert darauf, stellt ihr Handeln darauf
ein.
Es geht weiter: Er trinkt immer. Sie hat sich daran gewöhnt, immer nach
Hause zu fahren. Sie hat sich auch daran gewöhnt, am nächsten Morgen
seinen Chef anzurufen und ihn krank zu melden. Ebenso wie sie sich daran
gewöhnt hat, sein zu-Hause-sein bei der Nachbarin mit Übelkeit zu
entschuldigen.
Mehr und mehr Verantwortlichkeiten hat sie übernommen. Sie fährt das Auto,
sie kauft nur noch allein ein, überwacht die Hausaufgaben der Kinder,
führt die Bankgeschäfte, räumt auf, erledigt kleinere Reparaturen. Viele
Entscheidungen trifft sie allein - früher einmal war das anders...
Während der Mann immer öfter zu Dingen des Alltags nicht in der Lage ist,
weil er getrunken hat, ist die Frau immer mehr damit beschäftigt, nach
außen den Schein zu wahren. Sie entschuldigt sein Verhalten (...er hat ja
solche Probleme auf Arbeit...), sie nimmt Einladungen zu Gesellschaften kaum
mehr wahr, weil es ihr peinlich ist, wenn er wieder betrunken ist. Und
alleine geht sie auch nicht, aus Rücksicht auf ihn.
Oft verdient sie den Lebensunterhalt, weil er seine Stellung schon verloren
hat.
Und das alles, weil sie seine Frau ist, weil sie ihn
liebt!
Es dauert einige Zeit, aber irgendwann ist es soweit: Alles, was sie
denkt und tut ist irgendwie bestimmt von der Tatsache, daß ihr Mann trinkt.
Die Kehrseite der Medaille ist die:
Er kann trinken, weil sie für alles sorgt
. Sie schützt ihn, schirmt ihn von der Welt ab, aus lauter guten
Gründen, aber damit schafft sie eben auch den Raum, den er braucht, um zu
trinken. Warum sollte er nicht trinken, es klappt doch alles (die Frau sorgt
ja dafür).
Und was noch schlimmer ist: Dem Alkoholiker fällt dabei noch nicht einmal
auf, daß etwas nicht stimmt. Für ihn ist es natürlich, daß sie
verdient, wo ihm der blöde Chef doch gekündigt hat, daß sie chauffiert,
wo doch der dusselige Polizist ihm bei 2,4 °/oo die zwei Weinbrandbohnen
nicht glauben wollte und den Führerschein einzog. Und so weiter...
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Das hier beschriebene Verhalten ist typisch und niemand muß sich dafür
schämen. Es geschieht aus Liebe!
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Dieses Verhalten, das wir "coabhängig" nennen, hat seine
Ursache darin, daß der Alkoholiker ein Meister darin ist, die Menschen um
ihn herum im Sinne seiner Suchtbefriedigung zu gebrauchen, zu mißbrauchen.
Je mehr er in der Sucht gefangen ist, um so mehr benutzt er auch die Liebe
seiner Angehörigen aus, um sein süchtiges Leben weiter leben zu können.
Bedenke: Der Alkoholiker kann nicht anders! (Mitleid
hilft hier allerdings gar nicht weiter...)
Eine weitere Ursache liegt in dem Angehörigen selbst begründet: Wenn zwei
Menschen eine Bindung eingehen, dann spielen dabei eine Vielzahl von
Gründen eine Rolle, die den beiden meist gar nicht alle bewußt sind.
"Es stimmt einfach" - "Wir passen zusammen" oder auch:
"Wir lieben uns", heißt es dann - und das ist sehr schön. Kurz
gesagt ist es kein Zufall, daß ein Mensch, der zu süchtigem Verhalten
neigt, einen Partner hat, der eine Tendenz zur Coabhängigkeit hat. Anders
herum: Es hat seine Ursachen, daß ein Mensch, der zu coabhängigem
Verhalten veranlagt ist, sich an einen Menschen bindet, der das Potential
zum Suchtkranken hat.
Will sagen: Wenn zwei sich gefunden haben, dann haben sie sich auch gesucht:
Sie passen zusammen so, wie die Abhängigkeit zur Coabhängigkeit paßt.
Schon unsere Großeltern wußten, daß auf jeden Topf ein Deckel paßt...
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 | Doch zumeist ist für jeden Mitmenschen irgendwann die absolute
Schmerzgrenze erreicht. Irgendwann kommt auch der "beste" Coabhängige an
seine Leistungrenze - er kann und will nicht mehr.
Viele finden in dieser Situation den Weg zu Beratern, Selbsthilfegruppen
oder Therapeuten.
Oft weiß sich der Angehörige nicht anders aus seiner Not zu befreien, als
daß er die Beziehung zu dem Alkoholiker abbricht (und hat dabei noch ein
ganz schlechtes Gewissen, weil er ja seinen Partner verläßt). Und so
bedauerlich das ist: Solange der Alkoholiker selbst nicht daran denkt, sein
Leben zu ändern, gibt es für die Angehörigen oft auch keinen anderen Weg
aus ihrer eigenen Not. Entweder er bleibt - und geht mit unter, oder er geht
und versucht, für sein eigenes Leben zu retten, was noch zu retten ist.
Es ist die grausame Tatsache der Alkoholabhängigkeit, daß keiner dem
Alkoholiker helfen kann. Das geht erst dann, wenn er selbst aus tiefstem Herzen
um Hilfe (nicht Mitleid!!!) schreit und bereit ist, wirkliche Hilfe
anzunehmen - und sei der Weg auch noch so schwer. Vorher ist Hilfe NICHT
möglich! Bei aller Liebe nicht.
Kommt es zur Trennung, ist der Alkoholiker (wieder) auf sich gestellt. Nun,
wo der Coabhängige nicht mehr da ist und für alles sorgt, muß der
Alkoholiker wieder selbst für den Haushalt, das Geld und die Dinge des
täglichen Lebens sorgen. Dafür braucht er all die Fähigkeiten, die er
zumeist längst durch das Trinken verloren hat. Bisher hatte er das noch gar
nicht bemerkt - der Partner war ja eingesprungen und erledigte alles. Doch
nun hat er die Gelegenheit, diese Wahrheit wahrzunehmen. Ohne es zu wissen gibt
der Partner, der ihn verläßt, dem Kranken damit die Gelegenheit, nun zu
merken, wie schwach er inzwischen geworden ist. Vielleicht ist er nun in der
Lage, sich seine Ohnmacht einzugestehen und Hilfe zu suchen.
An dieser Stelle möchte ich eines deutlich sagen:
In den allermeisten Fällen, wo ein Partner sich von seinem
alkoholkranken Partner getrennt hat, war es nicht der Coabhängige, der
aus der Beziehung gegangen ist. Nein: Der Coabhängige zieht nur die
Konsequenzen aus dem, was der Alkoholiker schon vor längerer Zeit getan
hat: Der, der trinkt, hat nämlich die Beziehung zum Partner längst
aufgegeben, zu Gunsten der Flasche. Er/sie hat seine Frau/ihren Mann
längst betrogen - mit dem Alkohol, er liebt die Flasche inzwischen viel
mehr, als den Partner. Im Grunde hat der Alkoholiker die Ehe gebrochen
und ist ausgezogen in den Rausch, hin zu seiner Geliebten, der Flasche.
Wenn ein Alkoholiker nicht
wirklich Schritte unternimmt um trocken zu werden, hat er also kein
Recht, seinem Partner Vorwürfe zu machen, wenn der ihn verläßt!
Zur Beachtung: Ich will hier ganz sicher nicht
jemanden auffordern, seinen Partner zu verlassen. Die Beziehung zweier
Menschen ist etwas ganz besonders Wertvolles - und die Ehe ist mir heilig.
Ich kenne aber viele
Alkoholiker-Ehen, die an der Sucht zerbrochen sind, und ich kenne
bedauerlich viele Alkoholiker, die erst dann in ihrem benebelten Hirn
wahrzunehmen bereit waren, daß in ihrem Leben etwas nicht stimmt, als sie
allein in ihrem Elend saßen.
Gleichwohl kenne ich eine ganze Reihe von Paaren, die den Weg aus der Sucht
gemeinsam gegangen sind und die so wieder neu zu einem glücklichen
Miteinander gefunden haben. Es gibt viele Wege
- einen auch für Dich!
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 | Was also kann der tun, dessen Partner trinkt?
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Erst einmal: Erkenne Deine eigene Situation.
Versuche, so gut es geht, das in Ruhe und Gelassenheit zu tun. Ich
weiß, daß das schwer ist - versuche es trotzdem. Es wird nicht immer
gleich gelingen - habe Geduld mit Dir!
Frage Dich selbst, wie es Dir geht.
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Bist Du am Ende Deiner Kraft?
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Hast Du das Gefühl, daß Dir nichts mehr
gelingt, daß alles umsonst ist, was Du versuchst, daß ja doch
alles sinnlos ist?
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Welche Gefühle nimmst Du bei Dir wahr?
Liebe? Haß? Mut? Angst? Verzweiflung? Mißtrauen?
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Kannst Du erkennen, daß Du unfrei bist,
gefangen in der Situation, die durch das Trinkverhalten Deines Partners
bestimmt ist?
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Wer so gefangen ist, dem sind gleichsam
die Hände gebunden. Der kann sich nicht bewegen, der kann auch
nichts mehr tun. Der Coabhängige ist gefangen in den Stricken der
Sucht seines Partners. Das Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit
ist die Folge.
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Du kannst nur dann etwas tun, wenn Du
beginnst, Dich aus dieser Gefangenschaft zu befreien.
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Wahrscheinlich glaubst Du, daß Du eben
das nicht kannst - Du hast doch alles versucht... Aber lies erst mal
weiter. Es gibt ganz sicher einen Weg für Dich!
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Du hast - wohl schon eine ganze lange Zeit
hindurch - immer mehr und mehr für Deinen Partner gelebt. Alles
Denken und Planen richtet sich an ihm aus. Für Dich selbst war da
keine Zeit und keine Kraft mehr. Genau
hier kannst Du ansetzen und langsam - in ganz kleinen Schritten -
etwas verändern. Du kannst
nicht Deinen Partner davon abhalten, zu trinken. Aber
Du kannst beginnen, etwas für Dich zu tun. Und wenn Du das tust,
bringst Du nicht nur im Laufe der Zeit Dein eigenes Leben wieder auf
einen guten Weg. Nein, indem Du beginnst, wieder mehr für Dich
selbst zu sorgen, beginnst Du, das einzige für Deinen Partner zu
tun, was Du tun kannst. Um den aber geht es hier zunächst nicht -
Es geht um Dich!
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Du bist in einer ähnlich verfahrenen
Situation, wie Dein alkoholkranker Partner, wenn auch auf eine
andere Art und Weise. Auch für Dich gilt:
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Du
brauchst Hilfe.
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Du brauchst Menschen, die Dich verstehen
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Du brauchst Menschen, denen Du vertrauen
kannst, zu denen Du ehrlich reden kannst.
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Du könntest Menschen gut brauchen, die
Deine Situation aus eigenem Erleben gut kennen.
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Solche Hilfe, solche Menschen gibt es ganz in
Deiner Nähe.
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in Beratungsstellen (Suchtberatung oder Ehe- und
Familienberatung)
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Adressen stehen im Telefonbuch. Auch das Internet ist eine
gute Quelle. Und auf diesen Seiten von www.trocken-leben.de
werden nach und nach immer mehr Adressen oder Links zu finden
sein. Unter Links findest Du
weitere Seiten. Auch da gibt es oft gute Adressen.
In den Beratungsstellen findest Du kompetente Menschen, die
wissen, worum es geht. Da kannst Du ganz sicher sein, daß sie
Dich mit Deinen Problemen ernst nehmen. Ich weiß gerade von
Suchtberatungsstellen (Eheberatungen kenne ich leider
weniger...), daß die Mitarbeiter oft selbst von Alkoholismus
oder Coabhängigkeit betroffen sind, die Dinge also am eigenen
Leibe erfahren haben.
Übrigens sind Suchtberatungsstellen gerade auch für Dich als
Coabhängige/r eine gute Adresse. Ihr Hilfsangebot gilt ganz
ausdrücklich auch den Angehörigen von Alkoholikern.
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in Selbsthilfegruppen
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Selbsthilfegruppen gibt es in unterschiedlichster Art. Zum
Thema Alkoholismus gibt es Gruppen, die
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allein für Alkoholiker gedacht sind
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allein für Angehörige / Coabhängige gedacht sind
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sowohl aus Abhängigen wie auch Coabhängigen bestehen
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auch offen sind für andere Suchtkranke (Spieler,
Eßsüchtige, Konsumenten harter Drogen u.a.)
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Es gibt Gruppen, die religiös oder weltanschaulich geprägt
sind. Meines Wissens sind aber alle Gruppen grundsätzlich offen
für jeden, der Hilfe sucht. Ich selbst habe im Blauen Kreuz
eine gute trockene Heimat gefunden. Das Blaue Kreuz ist eine
ganz bewußt christliche Gruppe bzw. Organisation. An unseren
Gruppenabenden nehmen viele teil, die diesen Glauben nicht mit
uns teilen - und jeder von ihnen ist ein ganz wichtiges Mitglied
in dieser Runde.
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Manchmal muß man etwas gucken, bis man wirklich
"seine" Gruppe gefunden hat. Immer dauert es eine
Weile, bis man in einer neuen Gruppe ganz zu Hause ist. Das ist
ganz normal. Laß Dich eine Zeit lang einfach darauf ein - Du
kannst nur dabei gewinnen!
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Über die Adressen
und Termine von Selbsthilfegruppen in der Umgebung wissen
die Suchtberatungsstellen,
oft auch das Gesundheitsamt, gut Bescheid und geben gerne
Auskunft.
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bei "Fachleuten" in Sachen Lebenskrise, wie Ärzten,
Seelsorgern/Pastoren, Psychologen, Therapeuten und anderen.
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Menschen in diesen Berufen haben je für ihr Fach eine
besondere Ausbildung. Gemeinsam ist ihnen das Ziel, Menschen in
Not zu helfen. Oft - aber nicht immer - kennen sie aus ihrer
Praxis heraus die besondere Situation in einer Familie, in der
ein Alkoholiker lebt. In jedem Fall ist ein Gespräch mit ihnen
in sehr vertrautem Rahmen möglich. Sie alle sind über Dinge,
die Du ihnen anvertraust, zur Verschwiegenheit verpflichtet (das
kennst Du sicher als "ärztliche Schweigepflicht" oder
"Beichtgeheimnis" bzw. "seelsorgerliche
Schweigepflicht").
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Der erste Gang, die erste Frage nach Hilfe,
fällt den meisten Menschen nicht leicht.
Du sollst wissen: Wenn Du fragst, weiß man: Da ist ein Mensch, der
Hilfe sucht. Ein Mensch, der begonnen hat, gegen die
Ausweglosigkeit des eigenen Lebens zu kämpfen, der die Kraft
aufbringt, über den eigenen Schatten zu springen und der bereit
ist, Neues zu wagen. Man wird Dich ansehen und wissen: Du
bist ein ganz besonders wertvoller Mensch!
Hab also ruhig Mut und geh hin. Ich bin
sicher, daß Du es nicht bereuen wirst!
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Wenn Du beginnst, etwas zu tun, wenn Du Hilfe suchst und erste
Schritte gehst, dann wird etwas geschehen!
Ich will das hier nur in einigen Punkten und gewissermaßen in
Überschriften benennen:
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Du wirst neu erkennen, wie wichtig Du selbst bist.
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Du wirst erleben, daß Du ganz zu Recht eigene Bedürfnisse,
Wünsche und Interessen hast und daß Du gut daran tust, darauf zu
sehen, daß Du zu Deinem Recht kommst.
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Du wirst lernen, eigene Schritte zu gehen, ohne Deinen Partner,
und wirst Seiten in Deinem Leben neu entdecken, die längst
verschollen schienen.
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Du wirst es lernen, das, was Dir wichtig ist zu tun, auch wenn es
nicht mit dem Wunsch Deines Partners übereinstimmt.
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Du wirst neue Lebenskraft und Lebensfreude finden.
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Du wirst irgendwann feststellen, daß Du eine größere
Gelassenheit hast im Umgang mit der Krankheit Deines Partners. Du
wirst freier werden und so aufhören, Gefangener zu sein der Sucht
Deines Partners.
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Je mehr Du Dich befreist aus Deinen Zwängen, desto mehr wirst
Du Dich verändern.
Und Dein Partner?
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Im Grunde ist diese Frage ganz egal. Vermutlich bist Du aber
doch jemand, der sich dieses überlegt, und so will ich darauf
eingehen:
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 | Dein Partner wird merken, daß Du Dich veränderst. Er
wird bemerken, daß Du erst ein Bißchen, dann immer mehr
auch Deine eigenen Wege gehst. Er wird auch bemerken, daß
er Dich zunehmend nicht mehr "in der Hand" hat,
daß Du ihm und seinen Suchtbedürfnissen nicht mehr
willfährig bist.
Das macht ihm Angst.
Ich weiß: All das willst Du eigentlich nicht tun, weil Du Angst
hast, daß Dein Partner dann noch mehr trinkt, daß er völlig den
Halt verliert und endgültig abrutscht. Ganz lange Zeit hast Du
alles getan, daß eben dies nicht passiert.
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 | Die Wahrheit aber ist die: Ihr steckt in
einem Teufelskreis!
Dein Partner trinkt. Und was immer Du
für ihn tust, tust Du letztlich dafür, daß er weiter trinken
kann.
Du kannst kaum etwas dafür tun, daß
Dein Partner aufhört zu trinken - das muß er selbst tun und das
kann er nur selbst tun.
Ein Alkoholiker kann aber - das ist ein
Gesetz dieser Krankheit - erst dann aufhören, wenn er seine
"Schmerzgrenze" erreicht hat. Die ist bei jedem
unterschiedlich. Solange da noch Möglichkeiten sind, mit Trinken zu
leben, wird er es tun. Ganz bestimmt.
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 | Wenn Du nun wirklich anfängst, etwas
für Dich zu tun, beginnst Du auch, etwas weniger dafür zu tun,
daß Dein Partner trinken kann. Ob er damit einen Weg aus der Sucht
heraus findet läßt sich nicht sagen - die Chancen steigen aber.
Und vor allem:
Wenn Du es nicht tust, geht im
schlimmsten Fall nicht nur Dein Partner am Suff zugrunde, sondern Du
auch!
Solange Du nicht beginnst, eigene Wege zu suchen und zu gehen, gehst
Du den Weg Deines Partners mit - und der führt für den Alkoholiker
sicher dem Abgrund entgegen. Am Ende steht das sichere Sterben - es
sei denn, er schafft es, rechtzeitig den Kampf gegen seine Sucht
aufzunehmen.
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 | Es hilft Dir also nur, über den eigenen
Schatten zu springen und zu erkennen, daß Du ebenso ein Recht auf
Leben hast, wie Dein Partner.
Die beste Hilfe, die Du
dabei haben kannst findest Du in einer guten Selbsthilfegruppe!

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